09.11.2007 - 2007-09-11 HAMBURG: HSH Nordbank Arena / Each Song a long-lasting phenomenon...
Jeder Song ein Dauerbrenner...
Das ist doch schon... nein, Sting ist es doch noch nicht. Der da seine Stimme genauso hoch schrauben kann wie der Police-Sänger, heißt Joe Sumner. Stings Sohn. Seit das wiedervereinigte Trio seine Reunion-Tour Ende Mai in Vancouver begonnen hat, darf Joe für die Band seines Vaters mit seiner Combo Fictionplane den Vorturner machen. Ganz gut bei Stimme, der Filius, aber eben doch leider nur eine Kopie des Originals.
Der leibhaftige Gordon Sumner enterte um Punkt 20.18 Uhr die Bühne, fast 24 Jahre nach dem letzten Hamburger Auftritt von The Police in der Ernst-Merck-Halle. Die ist lange Geschichte, The Police noch nicht. Im Gegenteil. Es scheint, dass die früher heillos zerstrittenen Musiker während der seit Monaten laufenden Tournee zu einer kompakten Einheit zusammengewachsen sind. Was Sting, Stewart Copeland und Andy Summers in der bei Eintrittspreisen von 120 Euro nicht ausverkauften HSH-Nordbank-Arena ablieferten, war allerbestes Rock-Entertainment. Eine Best-of-Show mit den Krachern aus fünf Studioalben, die The Police zwischen 1978 und 1983 herausbrachte und sie zu einer der erfolgreichsten Bands ihrer Zeit machten.
Mit 'Message In A Bottle' ging die wilde Sause los, 'Don't Stand So Close To Me', 'Every Little Thing Is Magic', 'Can't Stand Losing You', natürlich 'Roxanne' und 'So Lonely', selbst das schlichte 'De Do Do Do De Da Da Da' hat die Band im Programm. Von ihren starken Nummern fehlt lediglich 'Bring On The Night'. Vom ersten Takt an ist das Publikum auf den Beinen, vor der Bühne wird jeder Song begeistert mitgeklatscht.
Wer gedacht hat, Sting stünde im Zentrum des Geschehens, sieht sich getäuscht. Schlagzeuger Stewart Copeland macht das Tempo. Mit den für ihn typischen kurzen und harten Schlägen treibt er seine Vorderleute an. Die können gar nicht anders, als das Höllentempo mitzugehen. Verschnaufpausen gibt er ihnen nur bei ruhigen Nummern wie 'Walking On The Moon' oder 'Driven To Tears'.
Dem Publikum ist diese schnörkellose, energiegeladene Show nur recht. Diese drei Musiker brauchen kein Pyrospektakel oder anderen Schnickschnack. Sie sind Vollblutmusiker, die noch einmal ausgezogen sind, um viel Geld zu verdienen und den Beifall eines großen Publikums entgegenzunehmen. Nach dieser knallharten Show haben sie das allemal verdient.
© Hamburger Abendblatt by Hienrich Oehmsen