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09.19.2007 - 2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / The Police live in Wien...
The Police live in Wien...

Es war eher eine "Old Wave" statt einer "New Wave", die am Mittwochabend zu den nach 21 Jahren des Streitens wieder vereinten "The Police" in die Wiener Stadthalle strömte. Die hohen Ticketpreise von 70 Euro und mehr machten den Event zu keinem so generationenübergreifenden Ereignis, wie das etwa im letzten Herbst bei Pearl Jam der Fall war. Dafür war man sich an diesem Abend einig, dass jeder das letzte Ticket für die restlos ausverkaufte Show ergattert hat und das Konzert gerade deswegen "ur geil" werden muss.

Drinnen ging Frontmann Sting derweil dem gewünschten Zusammentreffen der Generationen mit bestem Beispiel voran: Sohnemann Joe Sumner geigte mit seiner Band "Fiction Plane" vor einer dank Papi und seiner beiden Freunde bereits prächtig gefüllten Halle auf. Die Fans in der ersten Reihe hatten sich um halb fünf Uhr am Nachmittag vor der Stadthalle angestellt, um so nah wie möglich an Sting, Stewart Copeland und Andy Summers herantreten zu können.

Auf ihrer ovalen Bühne, bestückt mit jeder Menge Scheinwerfer mit bis zu einem Meter Durchmesser, die während der Show die ganze Halle in gleißend helles Licht (allerdings kein blaues...) tauchten, legten "The Police" dann um kurz vor neun Uhr abends mit 'Message In A Bottle' los. Andy Summers - mit 65 das einzige Bandmitglied, das man schon ungestraft "Punk-Opa" nennen darf - kam mit feuerroter Stratocaster auf die Bühne und schlug die ersten Akkorde des Welthits an. Auf einer Hebebühne mit Orchester-Percussion samt Kesselpauken und Riesen-Gong (das Rhythmus-Sammelsurium kam später bei 'Wrapped Around Your Finger' zum Einsatz) fuhr Stewart Copeland (55) hinter seinem 14 Einzeltrommeln und geschätzte 20 Becken umfassenden Drumset aus dem Boden, bevor dann Sting (in drei Wochen 56) mit seinem verschrammten 53er Fender P-Bass, der bei jedem Slap mit dem Daumen auseinanderzufallen droht, um die Ecke gejoggt kam.

Sein "Hallo, hier ist die Polizei", das Sting noch in Hamburg sehr zur Freude der anwesenden Presse als aufgelegte Headline lieferte, kam in österreich nicht. Dafür schaffte Andy Summers ein "singt mit, habt Spaß, enjoy the show", bevor man mit 'Synchronicity II' das weitere Programm beschritt. Konversation pflegten die drei Bandmitglieder während des Konzerts kaum. Keine Erklärung zu Songs, keine Statements - nach 21 Jahren Abwesenheit hätte sich der eine oder andere Fan vielleicht ein paar Worte zur Aktualität von 'De Do Do Do, De Da Da Da' gewünscht. Oder sonstwas, Hauptsache irgendwas halt. Aber Sting schwieg und ließ seine Bassgitarre sprechen.

über gut anderthalb Stunden spulten "The Police" ein musikalisch tadelloses Best-Of-Programm der fünf Studioalben ab. Songs wie 'Walking In Your Footsteps', 'Can't Stand Losing You', eine leicht angejazzte Version von 'Every Little Thing She Does Is Magic' und die gehetzten Kracher 'So Lonely' und 'Roxanne' (mit Rotlicht) wurden dargeboten. Sehr angenehm in der mit 16,000 Besuchern gefüllten Halle, wirkten sich die drei überdimensionalen Videowalls an der Stirnwand der Police-Bühne plus je eine an der Seite für die Fans ganz oben aus. Das grelle Licht war ja auch in erster Linie für die vor der Bühne auf Dollys paradierenden Kameras und die drei Kameramänner am Mischpult gedacht. In der Tat versäumte man dadurch keines von Stewart Copelands spektakulären Fills (er hatte eine Fischaugenkamera hinterm Drumset) und konnte auch Andy Summers beim Solieren ganz genau auf die Finger gucken, während sich Stings Halsschlagader bei den ganz hohen Tönen wie eine Anaconda, die gerade eine saftige Mahlzeit verdaut, über das riesige Display schlängelte.

Der Zahn der Zeit hat an den drei Ausnahmemusikern kaum genagt. Stewart Copeland sitzt zwar mit grauem Wuschelhaar und nicht mehr bauchfrei hinter seiner Trommelburg, dafür legt Sting im ärmellosen "Schwitzerl" den Sprung zum Schlussakkord eines Songs noch so agil hin, wie in seinen besten Rocker-Zeiten. Andy Summers hatte sich schon immer mehr auf das Gitarrespiel konzentriert - bei ihm findet die Akrobatik in den Gesichtsausdrücken (besonders bei 'Walking On The Moon') statt. Erstaunlicherweise ließen sie in Sachen Geschwindigkeit nur bei den moderaten Songs wie 'Don't Stand So Close To Me' ein paar beats per minute liegen, ansonsten stellte sich das Trio dem Songmaterial, das ihnen zu respektablen Solo-Karrieren verhalf. Auch gesanglich war Sting alias Gordon Matthew Sumner top in Form, wobei er manchmal (etwa bei 'Hole In My Life') den leichteren Weg über die tieferen Stimmlagen suchte. Sein geheimnisvolles Stimmbänder-Aphrodisiakum aus der Teetasse gab dem Frontmann jedoch stets wieder den richtigen Kick, sodass sich bis zur Zugabe mit 'Every Breath You Take' ein stimmgewaltiges Finale ausging. Da waren dann auch die 16,000 Fans nicht mehr zu halten und spendeten ohrenbetäubenden Applaus für die musikalische Großrazzia.

© Krone by Christoph Andert
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