09.19.2007 - 2007-09-19 VIENNA: Stadthalle / Polizei-Einsatz ohne Verletzte...
Polizei-Einsatz ohne Verletzte...
Gut 20 Jahre stand ihr Bühnenspiel auf "Pause", am Mittwoch drückten "The Police" in der Wiener Stadthalle wieder auf die "Play"-Taste, um Lieder aus einer anderen Zeit ins Heute zu holen.
"The Police" setzten ihre Marksteine zwischen 1977 und 1983 auf nur fünf Alben in eine Post-Punk-Leere. New Wave sagte man damals zu dieser Pop-Welle, die an stilistischen Sedimenten Jazz, Reggae, Ska mitführte.
Der solitäre Charakter des britischen Trios hat die Jahrtausendwende unbeschadet überdauert. Sting (55) legt nach wie vor die Basis mit einem soliden Bass, dessen wummernde Schläge Zuhörer-Brüste massieren und an Hosenbeinen zerren. Sein hoher Gesang ist so unverwechselbar wie der Knopf im Ohr eines Steiff-Bären.
Senior-Polizist Andy Summers (64) hat zwar etwas die Kontrolle über seine Körperausdehnung verloren, nicht aber das Gefühl für gediegenes, atmosphärisches Gitarrenspiel, für präzise übergänge.
Der drahtige Drummer Stewart Copeland (55) steckt voll rhythmischer, überraschender Raffinesse - ein Meister seines perkussiven Faches.
Diese drei musizierenden Gründe und das Kult-Pickerl auf dem Bandnamen genügten, um 16,000 Besucher anzuziehen. Der Auftritt entbehrte aber auch nicht eines bildenden Wertes - der entspannte klassische Dreier war ein prächtiges Beispiel dafür, dass es nicht mehrerer E-Gitarren und einer Keyboard-Ansammlung bedarf, um einen vollen Klang zu erschaffen, dem es an nichts fehlt.
In knapp zwei Stunden schöpften "The Police" aus ihrem Fundus. Der enthielt neben dem Wunschkonzert von 'Message In A Bottle' über 'Roxanne' und 'Every Breath You Take' auch Sperriges und weniger Gefälliges.
"Singt mit mir alles", forderte Sting die Ergebenen auf, die gerne in seinen Tarzanschrei der Spätsiebziger ("Ieeeeeeeeooo") einstimmten, der sich in fast jede Nummer fügen lässt. So richtig fröhlich wurde das Hörvolk bei 'De Do Do Do De Da Da Da', jener unsäglichen Banalität, die so überhaupt nicht ins Gesamtwerk passt. Die viel zu niedrige Bühne, die Sting & Co. nur knapp über den Köpfehorizont der Stehenden hob, wurde durch eine hochgesetzte Videolandwand ausgeglichen, auf der ein perfekt geschnittener Live-Konzert-Film lief. Da gab es Feinheiten zu entdecken, etwa Stings grindigsten Bass, Summers' Fingerübungen und Copelands nuanciertes, leidenschaftliches Schlagwerk.
Zum ungezügelten Ausflippen taugte die Police-Reminiszenz nicht. Das lag weniger an den Musikern, denen der wiedererblühte Spaß am gemeinsamen Musizieren anzusehen war, sondern in der Natur der Songs. Einiges gleicht sich, dazu zählt auch Stings Vokaleinsatz. Die Titel wurden dramaturgisch aber so gereiht, dass sich die Spannung bis zum Schluss aufbaute. Gelungener Polizei-Einsatz, keine Verletzten.
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