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09.22.2007 - 2007-09-22 MUNICH: Olympiastadion / Punk ist tot...
Punk ist tot...

Aus der langen Reihe der Auftritte wiederbelebter Rock-Opas, heute: The Police. Der Bedeutung der Band angemessen mit Doppelkritik. Teil 1 sagt: Eine ära wird zu Grabe getragen.

Unlängst sang Sting Renaissance-Lieder zur Laute. über die Qualität der Darbietung konnte man streiten, aber es passte zu ihm, dem gereiften Intellektuellen mit dem Gespür für angemessenes Künstlerverhalten. Jetzt steht er wieder mit The Police auf der Bühne und man fragt sich, warum er das tut. Immerhin gehörte die vor zwei Jahrzehnten beerdigte Band zu den am nachhaltigsten nachgerufenen Combos der Popgeschichte.

Alle drei Beteiligten wurden in den folgenden Jahren nicht müde, in Interviews zu betonen, dass man sich nicht nur auseinander gelebt, sondern sich definitiv schon gleich gar nichts mehr zu sagen habe.

Nun also doch, bevor es ihnen geht wie den Beatles, weltweit Konzerte in den Sportarenen und in München natürlich im Olympiastadion. Das Wetter spielt mit, ein prächtiger Spätsommerabend. The Police kommen auf die Bühne, scheinen wieder ganz die Alten zu sein und sind es tatsächlich. Die Wogen der Sympathie branden ihnen entgegen und sind gefärbt von Melancholie. Denn die Herren Gordon Matthew Sumner, Stewart Copeland und Andrew Summers tragen eine ära zu Grabe.

Sie machen das mit dem Gestus der Gelassenheit, im Bewusstsein, museale Botschafter einer Phase der Popmusik zu sein, als diese mit der Kommerzialisierung des Punks gerade die vormals gerettete Unschuld der Unabhängigkeit verlor. The Police waren damals der Motor dieser Entwicklung, ihr Erfolg ein Zeichen des Niedergangs der pubertären Werte des Widerstandes und des ästhetischen Protestes, ihr darauf folgendes Schweigen die Konsequenz aus der Erkenntnis, keinen Wandel, sondern nur die Zementierung der monetären Herrschaftsverhältnisse erreicht zu haben.

Sting weiß das natürlich, er macht es sogar zum Thema, wenn er über die Plattitüde eines Songs wie 'De Do Do Do' spöttelt, den er eigentlich gar nicht singen will. Man sieht es ihm an, wenn er über die immergrünen Liebeslieder hinaus die vermeintlich kritischen Texte hervorkramt, die wie 'Invisible Sun' aus der zeitlichen Distanz eigenartig naiv erschienen. Man merkt überhaupt, dass alles, was nach dem freakigen zweiten Album 'Regatta de Blanc' erschienen ist, in der Rückschau nicht mehr die Kraft der ersten rotzigen und ungestümen äußerungen der Band hat.

Vielleicht ist es auch das, was The Police noch immer peinlich ist, diese beiläufige Korruption der 'Message In A Bottle' durch die Mechanismen des Geschäfts. Weshalb sie einen Teil der Einkünfte der erfolgreichsten Tournee dieses Sommers korrekt an die Organisation Water-Aid spenden und damit Brunnen bauen lassen. Zynismus ist das nicht, das Gutmenschentum der Prominenten, schließlich gehören alle drei Künstler von The Police zu den Restidealisten, die sich ein Fünkchen von damals zu erhalten hoffen.

Aber sie sind auf der anderen Seiten nicht anders als die übrigen Saurier der Popgeschichte. Eine Veteranen-Combo mit smartem Hitprogramm ohne einen neuen Song, ohne etwas, das in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit weist. Punk is dead, nun endgültig, nachdem einer seiner letzten Mythen sich öffentlich verabschiedet hat.

© Süddeutschen Zeitung by Ralf Dombrowski
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