06.28.2008 - 2008-06-28 LEIPZIG: Messehalle 1 / Die Konzertrezension der Leipziger Volkszeitung: Aller guten Dinge sind ein Trio...
Die Konzertrezension der Leipziger Volkszeitung: Aller guten Dinge sind ein Trio...
Kreischende Fans vorm Bandbus, gebrüllte Liebesschwüre junger Frauen. Es sind Szenen wie bei den Beatles, die The Police nach ihrem Debütalbum 'Outlandos d' Amour' (1978) bis zum Auseinanderbrechen des Trios Mitte der 80er erlebten. Schlagzeuger Stewart Copeland hat sie festgehalten in seinem Doku-Film 'Everyone Stares'. Auch Eindrücke von Deutschland sind dabei. Copeland damals: "Durch Deutschland kann man im TV touren. Ohne Trucks, ohne Ausrüstung, ohne alles. In diesen Popsendungen singt man zum Playback und sieht doof aus."
Nun, ein gutes Jahr nach Beginn ihrer Reunion-Tour sind The Police wieder in Germany. Um sich von ihren Fans zu verabschieden. Live. Und sie sind das erste Mal in Ostdeutschland, in Leipzig. Das erste Mal, das gleichzeitig das letzte ist. Ein historischer Moment. Junge Frauen, die Liebesschwüre brüllen, sind in der Messehalle 1 allerdings nicht zu entdecken. Die meisten Fans sind zwischen 40 und 50. Manche haben den Nachwuchs mitgebracht, manche ihre Kumpels - eine Art Familienfest.
Es beginnt nach dem sympathischen Auftritt des Pop-Folk-Dreiers Scouting For Girls mit einem losstürmenden 'Message In A Bottle'. Das meditative 'Bring On The Night', mit dem Police Konzerte in Amerika eröffneten, ist gestrichen. Als müsse die Band in Europa sofort zur Sache kommen. Aber es dauert doch ein paar Songs, bis Bühne und Zuschauerraum eins sind. Vielleicht liegt's am furchtbaren Hall, der vor allem auf hohen Tribünenplätzen den Sound zur Sauce werden lässt. Spätestens mit dem ungestümen 'Every Little Thing She Does Is Magic' haben die Polizisten die Menge aber im Griff.
Aus dem einstigen New-Wave-Boy Sting ist ein bärtiger Yoga-Weiser mit gütigen Gesichtszügen geworden. Auf der Nase von Copeland sitzt eine Brille, die Haare sind schlohweiß. Und wenn Andy Summers auf seine Gitarre schaut, wölbt sich der Hals zum Doppelkinn. Aber was sind schon äußerlichkeiten? Bei dieser Band, die ohne Nebelwände, Background-Mäuschen, Zusatzmusiker auskommt, nur auf die Kraft von drei Instrumenten und einer kongenialen Stimme, ein bisschen Licht und Leinwand setzt, geht es nicht um die Strähnchen, sondern um die Stücke. Und davon haben sie einige, denen die Jahre nichts anhaben konnten: 'Walking On The Moon', 'Don't Stand So Close To Me', 'De Doo Doo Doo' ... Der kühle Minimalismus der Harmonien, die karibische Leichtigkeit des Rhythmus', das britische Händchen für Pop-Hymnen: Niemand beherrscht die Verschmelzung dieser drei Dinge so perfekt wie The Police. Bis heute.
© Leipziger Volkszeitung